{"id":18,"date":"2007-02-11T12:05:22","date_gmt":"2007-02-11T11:05:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rabe-buero.de\/Wordpress\/?p=18"},"modified":"2015-03-11T19:26:16","modified_gmt":"2015-03-11T18:26:16","slug":"fruhkastration","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.rabe-buero.de\/Wordpress\/fruhkastration\/","title":{"rendered":"Fr\u00fchkastration"},"content":{"rendered":"<p>Die Kastration von Katzen- und auch Hundewelpen wird seit einiger Zeit besonders in amerikanischen Tierheimen und von dort ausgehend teilweise auch in Deutschland propagiert.<\/p>\n<p>Als Fr\u00fchkastration kann jede Kastration bezeichnet werden, die vor Erreichen der Geschlechtsreife erfolgt. In der Regel ist aber mit Fr\u00fchkastration der Eingriff am sehr jungen Tier gemeint, meist im Alter zwischen vier und zw\u00f6lf Wochen. Das Verfahren wird von Katzensch\u00fctzern und Tier\u00e4rzten sehr kontrovers diskutiert.<!--more--><\/p>\n<p>Thema der Diskussionen ist vor allem die technische Seite. Gegner der Fr\u00fchkastration f\u00fchren Schwierigkeiten der Operation, schlechteren Abbau des Narkosemittels und Gefahren von Ausk\u00fchlung und Blutverlust f\u00fcr Jungtiere an. Bef\u00fcrworter betonen die \u201e\u00dcbersichtlichkeit\u201c des Operationsfeldes, geringere Durchblutung der Organe und schnellere Wundheilung beim Jungtier.<\/p>\n<p>Eine medizinische Folge der durch die Fr\u00fchkastration ausgel\u00f6sten Ver\u00e4nderung des Hormonhaushalts ist, dass die Tiere etwas gr\u00f6\u00dfer werden. Besonders die R\u00f6hrenknochen h\u00f6ren sp\u00e4ter auf zu wachsen, so dass die Tiere l\u00e4ngere Beine bekommen. Kater bilden nicht den typischen dicken \u201eKaterkopf\u201c aus, das trifft allerdings auch auf Tiere zu, die im \u00fcblichen Alter von 6-10 Monaten kastriert werden. Diskutiert wird m\u00f6gliche Fettsucht bei beiden Geschlechtern. Nach Literaturangaben kommt es bei fr\u00fchkastrierten Katern h\u00e4ufiger zum Auftreten des urologischen Syndroms durch Ansammlung von Harngrie\u00df oder Harnsteinen. Beschrieben wird au\u00dferdem das Problem, dass sich gelegentlich bei fr\u00fchkastrierten Katern die Vorhaut nicht richtig vom Penis l\u00f6st, sowie fehlende bzw. reduzierte Penisstacheln. Als Vorteile stehen dem gegen\u00fcber selteneres Auftreten von Geb\u00e4rmutterentz\u00fcndungen sowie selteneres Vorkommen von Tumoren bei der weiblichen Katze.<\/p>\n<p>Das Verhalten der Tiere wird selten ber\u00fccksichtigt. Jedoch werden gelegentlich dauerndes kindliches Verhalten fr\u00fchkastrierter Tiere, freundlicheres Wesen und h\u00e4uslicheres Verhalten erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Das Verfahren der Fr\u00fchkastration wurde von Tiersch\u00fctzern entwickelt, um die Abgabe unkastrierter Tiere an die neuen Besitzer zu verhindern. Erfahrungen hatten zuvor gezeigt, dass Kastrationsvertr\u00e4ge und -gutscheine nicht ausreichten, alle neuen Besitzer zur rechtzeitigen Kastration der Tiere zu veranlassen. Die Folge der unterlassenen Kastration war dann h\u00e4ufig, dass die abgegebenen weiblichen Katzen zusammen mit ihrem ersten Wurf ins Tierheim zur\u00fcckkamen. Inzwischen wird das Verfahren auch f\u00fcr verwilderte Katzen diskutiert und als L\u00f6sung vieler Probleme propagiert. Argumentiert wird, dass eingefangene Jungtiere nicht unkastriert wieder freigelassen werden d\u00fcrften, da sie unter Umst\u00e4nden niemals wieder eingefangen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Hier ist jedoch aus Sicht der Verhaltensbiologie Vorsicht geboten. Dauerhaft kindliches Verhalten der Tiere und \u201egr\u00f6\u00dfere Freundlichkeit\u201c, wie von fr\u00fchkastrierten Katzen beschrieben, m\u00f6gen den Besitzern von Wohnungskatzen sehr gefallen. Bei Wohnungskatzen ist aber die Fr\u00fchkastration meist unn\u00f6tig, weil sie leicht eingefangen und im \u00fcblichen Alter zur Kastration gebracht werden k\u00f6nnen. Allenfalls bei der gemeinsamen Haltung beider Geschlechter oder zur Sicherheit der Tierheime kann die Fr\u00fchkastration von Wohnungskatzen eine Rolle spielen.<\/p>\n<p>Das beschriebene Verhalten deutet aber auf Probleme hin, die sich in der normalen Sozialstruktur von Katzen ergeben k\u00f6nnen. Tiere mit dauerhaft kindlichem Verhalten d\u00fcrften Schwierigkeiten haben, sich gegen\u00fcber anderen Katzen durchzusetzen und sich normal in die Sozialstruktur einer Katzenpopulation einzuf\u00fcgen. Diese Sozialstruktur besteht nicht nur in erkennbaren Katzengruppen, sondern auch dort, wo Katzen stets allein beobachtet werden. Der soziale Kontakt erfolgt \u00fcber Geruchsmarkierungen, akustische Kommunikation und gelegentliche Treffen. Jede Katze, die als Freig\u00e4nger oder verwildertes Tier auftritt, f\u00fcgt sich in diese Sozialstruktur ein. Ein fr\u00fchkastriertes Tier, das sich im erwachsenen Alter wie ein Welpe benimmt oder (f\u00fcr Katzen) wie ein Jungtier riecht, k\u00f6nnte au\u00dferhalb der normalen Sozialkontakte stehen oder sogar zum \u201ePr\u00fcgelknaben\u201c der anderen Tiere werden. Zu diesen Punkten gibt es meines Wissens bisher keine Untersuchungen.<\/p>\n<p>Meines Erachtens ist die Fr\u00fchkastration von verwilderten Katern und solchen mit Freigang abzulehnen. Sp\u00e4tkastrierte und unkastrierte \u00e4ltere Kater sind gegen\u00fcber jungen M\u00e4nnchen oft sehr aggressiv, es ist keinem Tier zuzumuten, diesen normalerweise vor\u00fcbergehenden Angriffen lebenslang ausgesetzt zu sein. Dazu kommen die vorwiegend bei Katern auftretenden negativen medizinischen Folgen der Fr\u00fchkastration. K\u00f6nnen verwilderte junge Kater sp\u00e4ter nicht mehr eingefangen werden, so ist das nicht sehr problematisch, weil sie selbst ja keinen Nachwuchs bekommen und unkastrierte Kater, die verf\u00fcgbare rollige Weibchen decken, in der Regel sowieso vorhanden sind.<\/p>\n<p>Anders sieht es mit der Fr\u00fchkastration bei weiblichen Katzen aus. Hier werden veterin\u00e4rmedizinisch vor allem positive Langzeitfolgen beschrieben, denen nur wenige kurzzeitige Nachteile (wie kompliziertere Narkose und Operation) gegen\u00fcberstehen. Aus Sicht von Tierheimen kann es durchaus angebracht sein, auch junge weibliche Tiere nur kastriert abzugeben, um eine sp\u00e4tere Abgabe samt ungeplantem Nachwuchs oder ungenehmigte Zucht zu verhindern. Bei verwilderten weiblichen Jungtieren, die f\u00fcr eine Vermittlung zu scheu sind und in ihr Gebiet zur\u00fcckgebracht werden sollen, ist die vorpubert\u00e4re Kastration ebenfalls dem unkastrierten Zur\u00fcckbringen und sp\u00e4terem Fangversuch oder dem monatelangen Verbleib im Tierheim vorzuziehen.<\/p>\n<p>Da aber bisher kaum Erfahrungen mit der Fr\u00fchkastration verwilderter Katzen vorliegen, sollten fr\u00fchkastrierte Katzen besonders gekennzeichnet und m\u00f6glichst \u00fcber mehrere Jahre sorgf\u00e4ltig beobachtet werden, um St\u00f6rungen vor allem des Sozialverhaltens auszuschlie\u00dfen. Entsprechende Erfahrungsberichte sollten gesammelt und ver\u00f6ffentlicht werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kastration von Katzen- und auch Hundewelpen wird seit einiger Zeit besonders in amerikanischen Tierheimen und von dort ausgehend teilweise auch in Deutschland propagiert. 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