Das Gänschen

Ein Gänschen war besonders schön
so hübsch und niedlich anzuseh’n.
Sie stand den ganzen Tag am Teich,
ihr Spiegelbild, vom Wasser weich-
gezeichnet, schmachtete sie an,
und dachte sich „Fast wie ein Schwan!“.

Sie bog den Hals zu schönen Ringen,
hob stolz – so wie ein Schwan – die Schwingen,
und schwamm so zu den „andren“ Schwänen,
die grad vor Langeweile gähnen.

Doch kaum erblickten sie die Kleine
da kamen alle auf die Beine
„Hihi, haha, seht sie euch an!
Die Dumme glaubt, sie wär ein Schwan!“

Zutiefst gekränkt schwamm da das Gänschen
verlegen wackelnd mit dem Schwänzchen –
zu einst‘gen Freunden nun zurück
doch dort auch hatte sie kein Glück,
die Gänse lachten ebenfalls
über den stolzen „Schwanenhals“.

Sie wollte etwas bess‘res sein,
jetzt saß sie traurig und allein
und flog des Nachts vom Teiche fort
ihr Glück zu such‘n an anderm Ort.

Nun hört euch die Moral noch an:
Bist du ’ne Gans, bist du kein Schwan
und solltest auch kein Schwan sein wollen,
weil sonst die andern Gänse schmollen!

Doch die Moral von der Geschicht‘
die passt zur heut’gen Zeit wohl nicht,
weil heut man alles werden kann
sind Schwäne nicht mehr besser dran.

(nach einer Fabel von Lessing)

Morgens in der Frühe

…schreibe ich so etwas:

„Dabei sind auch jüngere Bäume von Bedeutung und sollten unbedingt erhalten werden, sofern sie Spechthöhlen, Stammrisse oder abgeplatzte Rinde aufweisen oder versprechen, sich künftig zu Strukturbäumen zu entwickeln.“

Das würde ich an ihrer Stelle auch behaupten. 😉